Geier in Griechenland auf einen Blick
- in Griechenland kommen Gänsegeier, Bartgeier, Mönchsgeier und Schmutzgeier vor
- Kreta besitzt eine der bedeutendsten Gänsegeierpopulationen Europas
- die einzige verbliebene Brutpopulation des Bartgeiers in Südosteuropa lebt auf Kreta
- der Dadia-Nationalpark beherbergt die einzige natürliche Brutkolonie des Mönchsgeiers auf dem Balkan
- Schmutzgeier sind Zugvögel und verbringen den Winter überwiegend südlich der Sahara
- Geier beseitigen Tierkadaver und übernehmen eine wichtige Aufgabe im Ökosystem
- vergiftete Köder, Stromleitungen, Windkraftanlagen und Störungen gefährden die Bestände
- Geier können Menschen nicht wegtragen und stellen für Wanderer keine Gefahr dar
Geier über den Bergen und Schluchten Griechenlands
Griechenland gehört zu den wenigen europäischen Ländern, in denen alle vier in Europa heimischen Geierarten vorkommen. Besonders bedeutende Lebensräume befinden sich auf Kreta, in Epirus, in den Gebirgen Mittelgriechenlands und im Dadia-Lefkimi-Soufli-Nationalpark im Nordosten des Landes.
Geier sind große Greifvögel, die sich überwiegend von toten Tieren ernähren. Sie suchen weite Gebiete nach Kadavern ab und nutzen warme Aufwinde, um mit geringem Energieaufwand viele Kilometer zurückzulegen. Deshalb sieht man sie häufig hoch über Berghängen, Schluchten und offenen Weidelandschaften kreisen.

Für Wanderer und Natururlauber gehört die Begegnung mit einem Geier zu den eindrucksvollsten Tierbeobachtungen in Griechenland. Dabei muss man die Vögel nicht aus kurzer Entfernung sehen. Bereits ihr ruhiger Gleitflug und ihre große Silhouette machen sie gut erkennbar.Geier sind für Menschen ungefährlich. Sie jagen keine Wanderer, greifen keine gesunden Menschen an und können auch keine größeren Kinder oder Erwachsenen wegtragen. Die Tiere halten gewöhnlich Abstand und fliehen, wenn ihnen Menschen zu nahe kommen.
Weitere Informationen über die Vogelwelt des Landes stehen in unseren Artikeln über Vögel in Griechenland und Greifvögel in Griechenland.
Unterkünfte in Griechenland buchen
Auf Booking.com finden Sie Hotels, Pensionen, Apartments und Ferienhäuser auf Kreta sowie in den Gebirgsregionen des griechischen Festlands. Die Angebote lassen sich nach Lage, Preis und Gästebewertungen filtern.
Welche Geierarten leben in Griechenland?
In Europa gibt es vier heimische Geierarten. Alle vier können in Griechenland beobachtet werden, ihre Verbreitung und Bestandsgröße unterscheiden sich jedoch erheblich.
| Geierart | Wichtigstes Gebiet | Kennzeichen | Vorkommen |
|---|---|---|---|
| Gänsegeier | Kreta und westliches Festland | breite Flügel, kurzer Schwanz, heller Körper | regional regelmäßig |
| Bartgeier | Gebirge Kretas | langer keilförmiger Schwanz, schmale Flügel | sehr selten |
| Mönchsgeier | Dadia in Thrakien | sehr groß, dunkel, breite rechteckige Flügel | kleine regionale Brutpopulation |
| Schmutzgeier | Nordgriechenland und einzelne weitere Gebiete | weiß-schwarzes Gefieder, gelbes Gesicht | sehr seltener Sommergast |
Touren und Ausflüge in Griechenland
Auf GetYourGuide finden Sie geführte Wanderungen, Naturausflüge, Schluchtentouren und weitere Aktivitäten auf Kreta sowie in anderen Regionen Griechenlands. Ob eine Tour ausdrücklich zur Vogelbeobachtung geeignet ist, steht in der jeweiligen Beschreibung.
Gänsegeier: häufigste Geierart Griechenlands
Der Gänsegeier trägt den wissenschaftlichen Namen Gyps fulvus. Er ist die Geierart, die Urlauber in Griechenland am ehesten beobachten können. Besonders auf Kreta gibt es noch eine große und vergleichsweise stabile Population. Auf dem griechischen Festland ist der Bestand wesentlich kleiner und auf mehrere voneinander getrennte Gebiete verteilt.

Gänsegeier erreichen eine Flügelspannweite von ungefähr 2,40 bis 2,80 Metern. Trotz ihrer Größe wirken sie im Flug nicht schwerfällig. Sie gleiten mit breiten Flügeln und einem kurzen, abgerundeten Schwanz durch die Luft. Die Flügelspitzen sind deutlich aufgefächert.
Erwachsene Tiere besitzen einen hellbraunen Körper, dunkle Schwungfedern und einen hellen Kopf. Am Hals befindet sich eine auffällige weiße oder cremefarbene Federkrause. Junge Gänsegeier sind insgesamt dunkler und haben eine bräunliche Halskrause.
Lebensweise der Gänsegeier
Gänsegeier leben gesellig. Sie brüten in Kolonien an steilen Felswänden und suchen häufig gemeinsam nach Nahrung. Sie beobachten dabei nicht nur den Boden, sondern auch andere Geier. Beginnt ein Vogel mit einem schnellen Sinkflug, folgen ihm oft weitere Tiere.
Die Nahrung besteht fast ausschließlich aus Kadavern größerer Säugetiere. In Griechenland sind dies häufig tote Schafe und Ziegen aus der extensiven Weidewirtschaft. Mit ihrem langen Hals können Gänsegeier weiches Gewebe im Inneren eines Kadavers erreichen.
Lebende und gesunde Tiere werden nicht gejagt. Ein Gänsegeier besitzt zwar einen kräftigen Schnabel, seine Füße sind aber nicht wie die eines Adlers zum Ergreifen und Töten von Beute ausgebildet.
Gänsegeier auf Kreta
Kreta ist das wichtigste Gebiet für den Gänsegeier in Griechenland. Die Insel besitzt außerdem eine der größten Inselpopulationen dieser Art weltweit. Besiedelt werden vor allem Bergregionen mit steilen Felswänden, offenen Weideflächen und ausreichendem Nahrungsangebot.
Gute Voraussetzungen bestehen in den Weißen Bergen, im Psiloritis-Massiv, im Dikti-Gebirge und in Teilen der Asterousia-Berge im Süden. Auch über größeren Schluchten können Gänsegeier erscheinen.
Eine Sichtung ist dennoch nie garantiert. Selbst in guten Gebieten können die Vögel weit entfernt oder hinter einem Bergrücken unterwegs sein. An Tagen mit ungünstigem Wetter bleiben sie teilweise längere Zeit an ihren Ruheplätzen.
Weitere Informationen über die Fauna der Insel finden Sie auf unserer Seite über die Tiere auf Kreta.
Bartgeier: seltener Knochenfresser auf Kreta
Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) ist die seltenste regelmäßig brütende Geierart Griechenlands. Seine letzte Brutpopulation in Griechenland und Südosteuropa lebt auf Kreta. Die Zahl der Brutpaare ist klein, weshalb jede erfolgreiche Brut für den Erhalt der Population von großer Bedeutung ist.
Aktuelle Angaben zur Anzahl der Paare unterscheiden sich je nach Erfassungsjahr und Definition eines besetzten Reviers. Sicher ist, dass es sich nur um eine kleine Population handelt, die überwacht und streng geschützt wird.

Bartgeier unterscheiden sich deutlich von Gänsegeiern. Sie besitzen lange, vergleichsweise schmale Flügel und einen auffälligen keilförmigen Schwanz. Erwachsene Tiere haben einen hellen Kopf und eine helle Unterseite, die häufig orange oder rostfarben wirkt. Diese Färbung entsteht durch eisenhaltige Erde oder Wasser, mit dem die Vögel ihr Gefieder in Kontakt bringen.
Unterhalb des Schnabels sitzen dunkle, bartähnliche Federn. Sie gaben der Art ihren deutschen Namen. Im Flug kann ein Bartgeier wegen seines langen Schwanzes und der schmaleren Flügel aus großer Entfernung beinahe wie ein riesiger Falke wirken.
Warum frisst der Bartgeier Knochen?
Bartgeier besitzen eine ungewöhnliche Spezialisierung. Ein großer Teil ihrer Nahrung besteht aus Knochen und Knochenmark. Kleinere Knochen können sie vollständig verschlucken. Größere Stücke tragen sie in die Luft und lassen sie über bestimmten felsigen Flächen fallen.
Durch wiederholtes Fallenlassen zerbrechen die Knochen in Stücke, die der Vogel schlucken kann. Solche Stellen werden auch Knochenschmieden genannt. Bartgeier können diese Plätze über viele Jahre verwenden.
Diese Ernährungsweise verringert die direkte Konkurrenz mit anderen Geierarten. Während Gänsegeier hauptsächlich weiches Gewebe fressen, verwertet der Bartgeier die übrig gebliebenen Knochen.
Wo leben Bartgeier auf Kreta?
Bartgeier benötigen große, ungestörte Gebirgsräume mit Felswänden und ausreichendem Nahrungsangebot. Bedeutende Gebiete liegen in den Weißen Bergen, im Psiloritis-Massiv und in weiteren Hochgebirgsregionen Kretas.
Die Vögel besitzen sehr große Reviere und legen bei der Nahrungssuche weite Strecken zurück. Eine genaue Angabe zu Brutplätzen ist aus Schutzgründen nicht sinnvoll. Besucher sollten niemals versuchen, sich bekannten Horsten zu nähern.
Mit Glück kann ein Bartgeier von einem öffentlichen Wanderweg oder Aussichtspunkt aus gesehen werden. Ein Fernglas ist dafür wesentlich besser geeignet als der Versuch, dem Vogel zu folgen.
Mönchsgeier: einer der größten Greifvögel Europas
Der Mönchsgeier (Aegypius monachus) gehört zu den größten flugfähigen Vögeln Europas. Seine Flügelspannweite kann annähernd drei Meter erreichen. In Griechenland befindet sich sein wichtigstes und einziges regelmäßiges Brutgebiet im Dadia-Lefkimi-Soufli-Waldgebiet in Thrakien.

Der Mönchsgeier ist überwiegend dunkelbraun. Im Flug fallen die sehr breiten, langen Flügel und der vergleichsweise kurze Schwanz auf. Die Silhouette wirkt fast rechteckig. Anders als Gänsegeier brüten Mönchsgeier nicht an Felswänden, sondern bauen große Nester in Bäumen.
Die Art lebt weniger gesellig als der Gänsegeier. Mehrere Mönchsgeier können sich zwar an einem Kadaver treffen, bei der Brut halten die Paare jedoch Abstand voneinander.
Mönchsgeier im Dadia-Nationalpark
Das Waldgebiet von Dadia im Nordosten Griechenlands besitzt eine besondere Bedeutung für den europäischen Vogelschutz. Dort lebt die einzige natürliche Brutpopulation des Mönchsgeiers auf dem Balkan.
Große Waldbrände zerstörten 2022 und 2023 erhebliche Teile des Nationalparks. Dabei gingen auch geeignete Nistbäume und Lebensräume verloren. Dennoch brüteten Mönchsgeier weiterhin im Gebiet. Schutzorganisationen und die zuständige Nationalparkverwaltung installierten zusätzliche künstliche Nisthilfen, weil beschädigte und abgestorbene Bäume ihre schweren Nester langfristig nicht tragen können.
Im Jahr 2026 wurden 47 Brutpaare gemeldet. Diese Entwicklung ist zunächst positiv, muss aber über mehrere Jahre beobachtet werden. Die Folgen der Brände für Nahrungssuche, Neststandorte und langfristige Bestandsentwicklung sind noch nicht vollständig absehbar.
Schmutzgeier: seltener Zugvogel zwischen Europa und Afrika
Der Schmutzgeier (Neophron percnopterus) ist die kleinste der vier europäischen Geierarten. Erwachsene Vögel sind an ihrem überwiegend weißen Gefieder, den schwarzen Schwungfedern, dem keilförmigen Schwanz und dem gelben, unbefiederten Gesicht zu erkennen.

Junge Schmutzgeier sehen völlig anders aus. Ihr Gefieder ist zunächst dunkelbraun und wird erst über mehrere Jahre heller. Dadurch können unerfahrene Beobachter junge Tiere leicht mit anderen Greifvögeln verwechseln.
Im Gegensatz zu den überwiegend standorttreuen Geiern Kretas ist der Schmutzgeier ein Langstreckenzieher. Die meisten europäischen Tiere verbringen den Winter in Afrika südlich der Sahara und kehren im Frühjahr in ihre Brutgebiete zurück. Auf ihren Reisen sind sie zahlreichen Gefahren ausgesetzt.
Nahrung und Werkzeuggebrauch
Schmutzgeier fressen Aas, besitzen aber ein breiteres Nahrungsspektrum als Gänsegeier. Sie nehmen unter anderem kleinere Kadaver, Insekten, Eier und organische Abfälle auf. Bekannt ist die Art für ihren Werkzeuggebrauch: Schmutzgeier können Steine aufnehmen und damit größere Eier aufschlagen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Vögel in Griechenland regelmäßig von Straußeneiern ernähren. Der Werkzeuggebrauch wurde vor allem in Regionen beobachtet, in denen entsprechend große Eier verfügbar sind.
Schmutzgeier in Griechenland
Der Schmutzgeier war früher in vielen Teilen Griechenlands verbreitet. Heute existieren nur noch sehr wenige Brutpaare. Wichtige Gebiete liegen vor allem im Norden des Landes, darunter Thrakien und Teile von Epirus und Thessalien.
Einzelne Schmutzgeier werden außerdem auf Kreta beobachtet. Dabei handelt es sich nicht um eine große etablierte Brutpopulation, sondern überwiegend um durchziehende, umherstreifende oder zeitweise überwinternde Tiere.
Der Balkanbestand ist stark gefährdet. Da die Vögel jedes Jahr zwischen Europa und Afrika wandern, reichen Schutzmaßnahmen in den griechischen Brutgebieten allein nicht aus. Auch sichere Rastplätze und Zugrouten im östlichen Mittelmeerraum, im Nahen Osten und in Afrika sind notwendig.
Wie unterscheiden sich Geier von Adlern?
Geier und Adler gehören zu den Greifvögeln, unterscheiden sich aber in Körperbau, Nahrung und Verhalten. Adler jagen überwiegend lebende Beute und besitzen kräftige Füße mit langen Krallen. Geier suchen dagegen hauptsächlich nach bereits verendeten Tieren.
Im Flug sind Geier häufig an ihren breiten Flügeln und dem ausdauernden Kreisen zu erkennen. Sie nutzen Thermik und gleiten lange, ohne mit den Flügeln zu schlagen. Adler kreisen ebenfalls, wirken aber meist kompakter und besitzen je nach Art einen längeren Schwanz.
Ein einzelner großer Vogel in weiter Entfernung lässt sich trotzdem nicht immer sicher bestimmen. Größe wird am Himmel häufig überschätzt. Körperform, Schwanzlänge, Flügelhaltung und Flugverhalten sind für die Bestimmung verlässlicher als der subjektive Eindruck.
Wo kann man Geier in Griechenland beobachten?
Die besten Beobachtungsgebiete liegen auf Kreta sowie in mehreren Gebirgsregionen des griechischen Festlands. Auch innerhalb dieser Gebiete sind Sichtungen nicht garantiert. Geier legen bei der Nahrungssuche große Entfernungen zurück und können an einem Tag über einem bestimmten Tal erscheinen, am folgenden Tag jedoch weit entfernt unterwegs sein.
Besucher sollten bekannte Brutplätze nicht gezielt aufsuchen. Geier reagieren während der Brutzeit empfindlich auf Störungen. Besonders problematisch sind das Verlassen markierter Wege, Klettern in der Nähe von Felswänden und Drohnenflüge.
Kreta: wichtigstes Gebiet für Gänse- und Bartgeier
Kreta bietet in Griechenland die besten Chancen, Gänsegeier zu beobachten. Die Kombination aus steilen Schluchten, hohen Gebirgen, offenen Weideflächen und einer weiterhin bedeutenden Schaf- und Ziegenhaltung schafft geeignete Bedingungen.
Gänsegeier sind grundsätzlich in vielen Bergregionen der Insel möglich. Besonders gute Voraussetzungen gibt es in den Weißen Bergen im Westen, im Psiloritis-Massiv in Zentralkreta, im Dikti-Gebirge und in den Asterousia-Bergen an der Südküste.
Weiße Berge und Schluchten im Westen
Die Weißen Berge, auch Lefka Ori genannt, bilden den größten Gebirgskomplex Westkretas. Zahlreiche Schluchten durchziehen das Gebiet. An steilen Felswänden liegen Brut- und Ruheplätze von Gänsegeiern. Auch der sehr seltene Bartgeier nutzt Teile dieser Gebirgslandschaft.
Geier können gelegentlich über der Samaria-Schlucht beobachtet werden. Eine Sichtung ist dort aber keineswegs garantiert. An stark besuchten Tagen ist die Aufmerksamkeit vieler Wanderer außerdem auf den anspruchsvollen Weg gerichtet.
Ruhigere Bergstraßen und Aussichtspunkte am Rand der Lefka Ori können bessere Bedingungen bieten. Dabei sollte nur an sicheren Stellen gehalten werden. Schmale Straßen dürfen nicht blockiert werden.
Psiloritis und Zentralkreta
Das Psiloritis-Massiv erreicht am Timios Stavros eine Höhe von 2.456 Metern. Offene Hochflächen, Felswände und traditionelle Weidewirtschaft machen die Region zu einem geeigneten Lebensraum für Geier.
Gänsegeier lassen sich mit etwas Glück über den Hängen und Schluchten beobachten. Auch Bartgeier durchstreifen das große Gebirgssystem. Wegen ihrer geringen Zahl sind Begegnungen mit Bartgeiern jedoch selten.
Wer im Gebirge wandert, sollte sich nicht ausschließlich auf die Suche nach Vögeln konzentrieren. Wetterwechsel, fehlender Schatten und schwieriges Gelände erfordern eine sorgfältige Vorbereitung. Weitere Hinweise stehen auf unserer Seite über die Berge auf Kreta.
Kourtaliotiko-Schlucht und Südkreta
Über der Kourtaliotiko-Schlucht und den umliegenden Bergen sind regelmäßig große Greifvögel zu sehen. Gänsegeier nutzen die warmen Aufwinde entlang der Felswände. Gute Beobachtungsmöglichkeiten bestehen von sicheren Aussichtspunkten und von der Umgebung der öffentlichen Straße.
In der Schlucht kann kräftiger Wind auftreten. Dadurch bewegen sich die Vögel teilweise sehr schnell entlang der Felsen. Ein Fernglas erleichtert die Unterscheidung von Gänsegeiern, Bussarden und Adlern.
Die nahen Urlaubsorte und Wandergebiete lassen sich über Plakias erreichen. Im Süden Kretas sind Geier häufig leichter zu entdecken als an den dicht besiedelten Küstenabschnitten im Norden.
Dadia-Nationalpark in Nordostgriechenland
Der Dadia-Lefkimi-Soufli-Waldnationalpark liegt in der Region Evros nahe der türkischen Grenze. Er zählt zu den bedeutendsten Greifvogelgebieten Europas. Dort können Mönchsgeier, Gänsegeier und während der warmen Jahreszeit Schmutzgeier vorkommen.
Das Gebiet besteht aus Kiefern- und Eichenwäldern, offenen Flächen, Weiden und felsigen Hängen. Diese abwechslungsreiche Landschaft bietet unterschiedliche Nistplätze und Nahrungshabitate.
Die Waldbrände der Jahre 2022 und 2023 haben große Teile des Nationalparks verändert. Deshalb können Wanderwege, Zufahrten und Angebote des Besucherzentrums vorübergehend eingeschränkt oder angepasst sein. Reisende sollten sich kurz vor dem Besuch bei der zuständigen Nationalparkverwaltung nach dem aktuellen Stand erkundigen.
Eigenmächtige Fahrten auf gesperrten Waldwegen sind zu vermeiden. Geführte Angebote und ausgewiesene Beobachtungspunkte ermöglichen wesentlich störungsärmere Sichtungen.
Epirus, Akarnanien und weitere Festlandsgebiete
Auf dem griechischen Festland ist der Gänsegeierbestand wesentlich kleiner als auf Kreta. Einzelne Kolonien und regelmäßig genutzte Gebiete befinden sich unter anderem im Westen und Nordosten des Landes.
Die Gebirgslandschaften von Epirus bieten grundsätzlich geeignete Lebensräume. Steile Schluchten, extensive Viehhaltung und wenig besiedelte Regionen sind für Geier wichtig. Beobachtungen sind unter anderem im weiteren Umfeld des Pindos-Gebirges möglich.
Auch in Akarnanien im Westen Mittelgriechenlands bestehen wichtige Gebiete für Gänsegeier. Diese Regionen werden deutlich seltener von ausländischen Urlaubern besucht als Kreta. Für eine erfolgreiche Beobachtung sind Ortskenntnisse oder ein fachkundiger Naturführer besonders hilfreich.
Auf einigen Inseln und über dem Festland können gelegentlich umherstreifende Geier erscheinen. Daraus sollte jedoch nicht geschlossen werden, dass Orte wie Rhodos oder Karpathos verlässliche Beobachtungsgebiete sind. Wer gezielt Geier sehen möchte, hat auf Kreta oder in den bekannten Schutzgebieten des Festlands deutlich bessere Chancen.
Wann ist die beste Zeit zur Geierbeobachtung?
Gänsegeier, Bartgeier und Mönchsgeier können in ihren griechischen Verbreitungsgebieten grundsätzlich das ganze Jahr beobachtet werden. Der Schmutzgeier ist dagegen hauptsächlich während des Frühjahrs und Sommers anwesend.
Für die Beobachtung ist die Tageszeit oft wichtiger als die Jahreszeit. Geier nutzen aufsteigende warme Luft. Am frühen Morgen sitzen sie daher häufig noch an ihren Ruheplätzen. Wenn sich die Felsen und Berghänge erwärmen, entstehen thermische Aufwinde.
Gute Bedingungen herrschen häufig vom späteren Vormittag bis zum frühen Nachmittag. Dann können Geier ohne großen Kraftaufwand an Höhe gewinnen. Bei starkem Regen, dichtem Nebel oder ungünstigem Wind bleiben sie teilweise länger in geschützten Bereichen.
Tipps zur Geierbeobachtung
- einen offenen Aussichtspunkt mit Blick auf Berghänge und Schluchten wählen
- den Himmel längere Zeit ruhig mit bloßem Auge absuchen
- erst nach dem Entdecken eines Vogels das Fernglas verwenden
- auf Gruppen kreisender Vögel und auffällige Sinkflüge achten
- ausreichend Abstand zu Felswänden und möglichen Brutplätzen halten
- keine Kadaver auslegen und Geier nicht anfüttern
- Absperrungen und Hinweise von Nationalparks beachten
- keine Drohne in der Nähe von Wildvögeln einsetzen
Welche Ausrüstung ist sinnvoll?
Für die Beobachtung reicht ein Fernglas mit acht- oder zehnfacher Vergrößerung meistens aus. Ein großes Spektiv kann an festen Aussichtspunkten hilfreich sein, ist auf längeren Wanderungen aber schwer und unhandlich.
Für Fotos wird ein Teleobjektiv benötigt. Geier sollen nicht dadurch groß im Bild erscheinen, dass man sich ihren Ruhe- oder Brutplätzen nähert. Eine längere Brennweite und späteres Zuschneiden des Fotos sind die naturverträglichere Lösung.
Im griechischen Gebirge gehören feste Schuhe, Sonnenschutz, eine Kopfbedeckung und genügend Trinkwasser zur Grundausrüstung. Selbst in höheren Lagen können die Temperaturen im Sommer stark ansteigen.
Eine Bestimmungs-App oder ein Buch über europäische Greifvögel hilft bei der Unterscheidung. Automatische Erkennungsprogramme können allerdings Fehler machen. Flugbild, Proportionen, Färbung und Verhalten sollten gemeinsam betrachtet werden.
Warum sind Geier für die Natur wichtig?
Geier beseitigen Tierkadaver und beschleunigen damit die Rückführung organischer Stoffe in den natürlichen Kreislauf. Ein größerer Kadaver kann von einer Gruppe Gänsegeier innerhalb kurzer Zeit weitgehend verwertet werden.
Die Magensäure der Geier ist ausgesprochen stark. Sie ermöglicht es ihnen, Gewebe zu verdauen, das mit verschiedenen Mikroorganismen belastet sein kann. Dadurch reduzieren Geier die Zeit, in der Kadaver offen in der Landschaft liegen und von verwilderten Hunden, Ratten oder anderen Aasfressern genutzt werden.
Geier ersetzen allerdings keine tiermedizinischen Kontrollen oder vorgeschriebenen Verfahren zur Entsorgung erkrankter Nutztiere. Ihre ökologische Leistung besteht vor allem in naturnahen Weidelandschaften, in denen unbelastete Kadaver unter kontrollierten Bedingungen verfügbar bleiben dürfen.
Weil Geier große Gebiete absuchen, zeigen Veränderungen ihrer Bestände häufig auch Probleme in der Landschaft an. Vergiftungen, fehlende Nahrung und gefährliche Energieanlagen betreffen oft nicht nur Geier, sondern zahlreiche weitere Tierarten.
Welche Gefahren bedrohen Geier?
Vergiftete Köder
Illegal ausgelegte Giftköder gehören zu den schwerwiegendsten Gefahren. Sie werden teilweise gegen verwilderte Hunde, Wölfe, Schakale oder andere Tiere eingesetzt. Geier können den vergifteten Kadaver aus großer Entfernung entdecken und gemeinsam daran fressen.
Ein einziger Köder kann dadurch mehrere Geier und andere Greifvögel töten. Da Geier spät geschlechtsreif werden und meist nur ein Ei pro Brut haben, können solche Verluste nur sehr langsam ausgeglichen werden.
Tierarzneimittel und belastete Kadaver
Bestimmte Wirkstoffe können für Geier gefährlich sein, wenn sie über den Kadaver eines behandelten Nutztieres aufgenommen werden. Deshalb müssen nur geeignete und kontrollierte Tierkörper für Fütterungsplätze verwendet werden.
Stromleitungen und Windkraftanlagen
Geier können mit Leitungen kollidieren oder an unzureichend gesicherten Strommasten einen Stromschlag erleiden. Windkraftanlagen können ebenfalls ein Risiko darstellen, wenn sie in wichtigen Flugkorridoren, Nahrungssuchgebieten oder in der Nähe von Kolonien errichtet werden.
Die Planung solcher Anlagen erfordert deshalb genaue Untersuchungen der Flugbewegungen. GPS-Sender helfen Fachleuten dabei, häufig genutzte Routen und besonders gefährliche Bereiche zu erkennen.
Störungen an Brutplätzen
Klettern, Drohnen, Bauarbeiten, Geländefahrzeuge und unkontrollierter Tourismus können Geier von ihren Nestern vertreiben. Besonders empfindlich ist die Zeit von der Eiablage bis zum Ausfliegen des Jungvogels.
Verlässt ein Altvogel das Nest wegen einer Störung, kann das Ei oder Jungtier auskühlen, überhitzen oder von anderen Vögeln angegriffen werden. Deshalb werden genaue Neststandorte seltener Arten nicht öffentlich beworben.
Veränderungen der Weidewirtschaft
Geier waren über Jahrhunderte eng mit der extensiven Haltung von Schafen und Ziegen verbunden. Veränderungen in der Landwirtschaft und strengere Vorschriften zur Beseitigung von Tierkadavern können das verfügbare Nahrungsangebot verringern.
Kontrollierte Fütterungsplätze und spezielle Regelungen für traditionelle Weidebetriebe können helfen. Dabei muss gewährleistet sein, dass nur gesundheitlich unbedenkliche Kadaver bereitgestellt werden.
Schutzmaßnahmen in Griechenland
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die Überwachung von Brutplätzen, die Suche nach Giftködern, die Sicherung gefährlicher Strommasten und die Bereitstellung kontrollierter Nahrung. Speziell ausgebildete Hunde helfen beim Aufspüren vergifteter Köder und Tierkadaver.
Einige Geier werden mit GPS-Sendern ausgestattet. Die gesammelten Daten zeigen, welche Gebiete die Vögel nutzen und wo ein Tier plötzlich ungewöhnlich lange liegen bleibt. Dadurch können verletzte oder vergiftete Geier schneller gefunden werden.
Auf dem Festland werden außerdem junge Gänsegeier ausgewildert, um kleine Bestände zu stärken und frühere Kolonien wiederzubesiedeln. Solche Projekte sind nur erfolgreich, wenn gleichzeitig Vergiftung, Stromschlag und weitere Todesursachen reduziert werden.
Im Dadia-Nationalpark wurden nach den Waldbränden künstliche Nester für Mönchsgeier errichtet. Auf Kreta konzentriert sich der Schutz unter anderem auf Gänsegeier und die kleine, besonders wertvolle Bartgeierpopulation.
Ausflüge und Naturerlebnisse in Griechenland
Geführte Wanderungen und Naturtouren können den Zugang zu geeigneten Beobachtungsgebieten erleichtern. Nicht jede allgemeine Wanderung ist jedoch eine spezielle Vogelbeobachtungstour. Vor der Buchung sollte geprüft werden, ob ein fachkundiger Naturführer beteiligt ist und wie groß die Gruppe ist.
Touren und Ausflüge in Griechenland
Auf GetYourGuide finden Sie geführte Wanderungen, Naturausflüge, Schluchtentouren und weitere Aktivitäten auf Kreta sowie in anderen Regionen Griechenlands. Ob eine Tour ausdrücklich zur Vogelbeobachtung geeignet ist, steht in der jeweiligen Beschreibung.
Geeignete Unterkünfte für Natururlauber
Auf Kreta sind Unterkünfte am Rand der Gebirge und im Süden der Insel für Naturausflüge gut geeignet. Rund um Chania erreicht man die Weißen Berge und zahlreiche Schluchten. Von Rethymno und den Orten in Zentralkreta bestehen Zufahrten in Richtung Psiloritis.
Wer den Dadia-Nationalpark besuchen möchte, findet kleinere Unterkünfte in der Region Evros. Aufgrund der Entfernung zu den klassischen Urlaubszielen sollte für Nordostgriechenland eine eigene Reiseetappe eingeplant werden.
Unterkünfte in Griechenland buchen
Auf Booking.com finden Sie Hotels, Pensionen, Apartments und Ferienhäuser auf Kreta sowie in den Gebirgsregionen des griechischen Festlands. Die Angebote lassen sich nach Lage, Preis und Gästebewertungen filtern.
Weitere Artikel über Griechenlands Natur
Häufige Fragen zu Geiern in Griechenland
Welche Geierarten gibt es in Griechenland?
In Griechenland kommen Gänsegeier, Bartgeier, Mönchsgeier und Schmutzgeier vor. Die Arten besitzen unterschiedliche Verbreitungsgebiete. Nur auf Kreta gibt es eine größere Gänsegeierpopulation, während die anderen Bestände klein oder regional begrenzt sind.
Wo sieht man in Griechenland am häufigsten Geier?
Die besten Chancen auf Gänsegeier bestehen in den Gebirgen und Schluchten Kretas. Der Dadia-Nationalpark in Nordostgriechenland ist besonders für Mönchsgeier und weitere Greifvögel bekannt.
Gibt es Geier in der Samaria-Schlucht?
In den Weißen Bergen und über der Samaria-Schlucht können Gänsegeier beobachtet werden. Eine Sichtung während einer Wanderung ist jedoch nicht garantiert.
Sind Geier für Menschen gefährlich?
Nein. Geier ernähren sich überwiegend von Tierkadavern und halten normalerweise Abstand zu Menschen. Sie jagen keine Wanderer und können keine Menschen wegtragen.
Greifen Geier lebende Tiere an?
Die griechischen Geierarten sind auf Aas beziehungsweise beim Bartgeier besonders auf Knochen spezialisiert. Gesunde größere Tiere werden nicht gejagt. In seltenen Situationen können Geier an bereits sterbenden oder bewegungsunfähigen Tieren fressen.
Wie groß werden Geier?
Gänsegeier erreichen eine Flügelspannweite von bis zu etwa 2,80 Metern. Mönchsgeier können annähernd drei Meter erreichen. Bartgeier besitzen eine Spannweite von ungefähr 2,30 bis 2,80 Metern. Der Schmutzgeier ist mit etwa 1,55 bis 1,80 Metern deutlich kleiner.
Wann sieht man Geier am besten?
Viele Geierarten sind ganzjährig anwesend. Gute Beobachtungsbedingungen entstehen häufig am späteren Vormittag, wenn warme Aufwinde die Vögel beim Kreisen und Segeln unterstützen. Schmutzgeier sind überwiegend im Frühjahr und Sommer in Griechenland.
Darf man Geier füttern?
Nein. Private Fütterungen können Tiere an ungeeignete Orte locken und gesundheitliche Risiken verursachen. Die Versorgung an offiziellen Fütterungsplätzen erfolgt kontrolliert durch Fachleute.
Darf man Geier mit einer Drohne filmen?
Drohnen können Geier erheblich stören und zur Aufgabe eines Nests führen. In Schutzgebieten und in der Nähe von Wildvögeln sollte keine Drohne eingesetzt werden. Zusätzlich gelten die griechischen und europäischen Vorschriften für Drohnenflüge.
Warum haben viele Geier einen kahlen Kopf?
Der wenig befiederte Kopf und Hals erleichtern die Nahrungsaufnahme an Kadavern. Verschmutzungen bleiben dadurch weniger stark im Gefieder hängen. Anschließend können Sonne, Luft und Gefiederpflege zur Reinigung beitragen.
Fazit: Griechenland als wichtiger Lebensraum für Geier
Griechenland besitzt eine besondere Verantwortung für den Schutz der europäischen Geier. Auf Kreta lebt eine bedeutende Gänsegeierpopulation und die letzte Brutpopulation des Bartgeiers in Südosteuropa. Im Dadia-Nationalpark befindet sich die einzige natürliche Brutpopulation des Mönchsgeiers auf dem Balkan. Der Schmutzgeier verbindet die griechischen Brutgebiete mit weit entfernten Überwinterungsgebieten in Afrika.
Für Natururlauber bieten sich vor allem die Gebirge und Schluchten Kretas sowie ausgewiesene Beobachtungsgebiete im Norden des Landes an. Geier lassen sich am besten mit Geduld, Fernglas und großem Abstand beobachten.
Der Schutz der Vögel hängt nicht allein von Nationalparks ab. Entscheidend sind der Kampf gegen Giftköder, sichere Stromleitungen, eine naturverträgliche Energieplanung und der Erhalt traditioneller Weidelandschaften. Rücksichtsvolle Besucher können ebenfalls beitragen, indem sie Wege und Absperrungen beachten und Brutplätze nicht stören.
>>> Hotels auf den griechischen Inseln buchen
-
Weitere Informationen zu Tieren in Griechenland
- Haie in Griechenland
- Quallen in Griechenland
- Schlangen in Griechenland
- Seeigel in Griechenland
- Steinfische in Griechenland
- Fische in Griechenland
- Tintenfische in Griechenland
- Muscheln in Griechenland
- Delfine in Griechenland
- Schildkröten in Griechenland
- Flamingos in Griechenland
- Eidechsen in Griechenland
- Skorpione in Griechenland
- Spinnen in Griechenland
- Wespen in Griechenland
- Zecken in Griechenland
- Tigermücken in Griechenland
- Das gefährlichste Tier Griechenlands
- Tierbeobachtung in Griechenlan