Wer zum ersten Mal nach Kreta reist, besucht meist die bekannten Orte der Insel. Chania, Rethymno, Heraklion, Agios Nikolaos oder Elounda stehen in fast jedem Reiseführer. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, denn viele dieser Orte sind sehenswert.
Doch das eigentliche Kreta beginnt oft dort, wo die Reisebusse nicht mehr hinfahren. In kleinen Bergdörfern, abgelegenen Küstenorten und Orten, die viele Urlauber einfach übersehen.
Ich habe rund zehn Jahre auf Kreta gelebt und die Insel intensiv bereist. Viele der Orte in diesem Artikel kennen selbst langjährige Kreta-Urlauber nicht. Einige sind nur kleine Dörfer, andere dienen als Ausgangspunkt für Wanderungen oder verstecken sich weit entfernt von den bekannten Touristenzentren.
Genau diese Orte machen für mich den besonderen Reiz Kretas aus.
Kreta individuell entdecken
Viele der hier vorgestellten Orte lassen sich am besten mit einem Mietwagen erkunden. Für einige Ziele gibt es aber auch Busverbindungen.
Die kleinen Orte machen den Unterschied
Fast jede Webseite schreibt über Balos, Elafonissi oder den Hafen von Chania. Deutlich seltener findet man Informationen über Dörfer wie Lakki, Zaros oder Mirthios.
Dabei sind es oft genau diese Orte, die vielen Besuchern besonders lange in Erinnerung bleiben.
Wer Kreta wirklich kennenlernen möchte, sollte deshalb nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten besuchen, sondern auch einige der kleinen Orte erkunden.
Pitsidia – mein Lieblingsdorf bei Matala
Nur wenige Kilometer von Matala entfernt liegt Pitsidia. Das Dorf hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Wohnort für Auswanderer und Langzeiturlauber entwickelt.
Trotzdem wirkt Pitsidia deutlich ruhiger und ursprünglicher als das benachbarte Matala.
Rund um den Dorfplatz befinden sich mehrere gute Tavernen. Zum Komos-Strand sind es nur wenige Minuten mit dem Auto.
Weitere Informationen finden Sie in unserem ausführlichen Artikel über Pitsidia.
Timbaki – das echte Kreta erleben
Auf den ersten Blick wirkt Timbaki nicht besonders attraktiv. Viele Urlauber fahren einfach hindurch und setzen ihre Reise fort.
Das ist aus meiner Sicht ein Fehler.
Timbaki gehört zu den authentischsten Orten im Süden Kretas. Besonders bekannt ist der große Wochenmarkt am Freitag. Bauern aus der Umgebung verkaufen hier Obst, Gemüse, Käse, Olivenöl und zahlreiche weitere Produkte wie Kleidung und Haushaltswaren.
Wer das Alltagsleben auf Kreta kennenlernen möchte, sollte Timbaki unbedingt besuchen.
Weitere Informationen finden Sie in unserem ausführlichen Artikel über Timbaki.
Mires – die Hauptstadt der Messara-Ebene
Mires ist die größte Stadt in der fruchtbaren Messara-Ebene.
Viele Einwohner aus Agia Galini, Matala, Pitsidia und den umliegenden Dörfern kommen hierher zum Einkaufen.
Besonders bekannt ist der große Markt am Samstag. Hier findet man nahezu alles: Lebensmittel, Kleidung, Haushaltswaren und teilweise sogar lebende Tiere.
Touristen sieht man nur wenige.
Gerade deshalb gehört Mires für mich zu den interessantesten Orten im Süden Kretas.
Plaka – das Tor nach Spinalonga
Das kleine Dorf Plaka liegt gegenüber der berühmten Insel Spinalonga.
Von hier starten die meisten Boote zur ehemaligen Leprakolonie.
Entlang der Uferpromenade befinden sich zahlreiche gute Tavernen mit Blick auf die Insel.
Obwohl Plaka touristisch geprägt ist, hat sich der Ort seinen besonderen Charakter bewahrt.
Mochlos – günstig und authentisch
Mochlos gehört zu meinen Lieblingsorten im Osten Kretas.
Obwohl Agios Nikolaos, Elounda und Sitia nicht weit entfernt liegen, scheint der große Tourismus den Ort vergessen zu haben.
Direkt am Meer gibt es mehrere Tavernen und einen kleinen Strand.
Besonders auffällig sind die niedrigen Preise. Während viele Urlaubsorte auf Kreta deutlich teurer geworden sind, bekommt man hier teilweise noch einen Kaffee für rund 1,20 Euro.
Palekastro – Basislager für Wanderer und Individualurlauber
Ganz im Osten Kretas liegt Palekastro.
Der Ort dient vielen Urlaubern als Ausgangspunkt für Ausflüge zum berühmten Palmenstrand Vai.
Auch Wanderer schätzen die Region. Zahlreiche Wege führen durch die einsame Landschaft Ostkretas.
Palekastro ist deutlich ruhiger als die bekannten Ferienorte im Norden der Insel und bietet einen guten Einblick in das ursprüngliche Ostkreta.
Zakros – günstig übernachten im äußersten Osten
Zakros liegt abgelegen in den Bergen des äußersten Ostens von Kreta.
Ich habe hier selbst etwa zehnmal übernachtet.
Besonders gefallen mir die günstigen Preise. Noch heute findet man einfache Zimmer für etwa 30 Euro pro Nacht.
Von Zakros aus lassen sich viele Ausflüge in die Region unternehmen. Zudem bietet das Dorf schöne Ausblicke auf die umliegende Landschaft.
Loutro – das Dorf ohne Straßen
Loutro gehört zu den außergewöhnlichsten Orten auf Kreta.
Der kleine Küstenort besitzt bis heute keine Straßenverbindung. Besucher erreichen Loutro nur mit der Fähre oder zu Fuß über die Wanderwege entlang der Südküste.
Viele Wanderer legen hier eine Übernachtung ein. Andere kommen nur für einen Tagesausflug.
Die weißen Häuser, das türkisfarbene Wasser und die autofreie Atmosphäre verleihen dem Ort einen ganz besonderen Charme.
Für viele Besucher gehört Loutro zu den schönsten Orten der gesamten Insel.
Agia Roumeli – Ruhe nach dem Wanderansturm
Agia Roumeli liegt am Ausgang der berühmten Samaria-Schlucht.
Jeden Nachmittag erreichen tausende Wanderer den Ort nach ihrer Tour durch die Schlucht.
Viele verlassen Agia Roumeli jedoch bereits wenige Stunden später wieder mit der Fähre.
Sobald die letzten Schiffe abgelegt haben, kehrt eine erstaunliche Ruhe ein.
Wer hier übernachtet, erlebt einen völlig anderen Ort als die Tagesgäste.
Außerdem gehören die Unterkünfte oft zu den günstigsten an der Südküste Kretas.
Tsoutsouros – der ruhige Badeort
Tsoutsouros ist einer jener Orte, die viele Urlauber zufällig entdecken und danach immer wieder besuchen.
Der kleine Küstenort liegt an der Südküste und bietet mehrere schöne Strände.
Große Hotelanlagen sucht man hier vergeblich.
Stattdessen dominieren kleine Unterkünfte, Tavernen und eine entspannte Atmosphäre.
Wer einen ruhigen Strandurlaub sucht, findet in Tsoutsouros einen echten Geheimtipp.
Keratokambos – Kreta ohne Massentourismus
Keratokambos erinnert in vieler Hinsicht an Tsoutsouros.
Auch hier stehen Ruhe, Strand und Erholung im Mittelpunkt.
Die Umgebung wird von zahlreichen Gewächshäusern geprägt, die einen wichtigen Teil der lokalen Landwirtschaft darstellen.
Trotz der schönen Lage direkt am Meer ist der große Tourismus bislang ausgeblieben.
Genau das macht den besonderen Reiz des Ortes aus.
Myrtos – einer der schönsten Orte Südkretas
Myrtos gehört für mich zu den gelungensten Urlaubsorten an der Südküste.
Der Ort besitzt einen langen Strand, zahlreiche Tavernen und eine angenehme Atmosphäre.
Anders als viele Ferienorte wirkt Myrtos nie überlaufen.
Wer eine Mischung aus Badeurlaub, Tavernen und kretischem Dorfleben sucht, ist hier genau richtig.
Mehr Informationen finden Sie in unserem Artikel über Myrtos.
Sougia – entspanntes Kreta am Libyschen Meer
Sougia liegt an der abgelegenen Südküste und gehört zu den entspanntesten Orten der Insel.
Viele Besucher kommen zum Wandern oder nutzen den Ort als Ausgangspunkt für Ausflüge entlang der Küste.
Im Vergleich zu Paleochora geht es deutlich ruhiger zu.
Trotzdem gibt es zahlreiche Tavernen, Cafés und Unterkünfte.
Weitere Informationen finden Sie in unserem ausführlichen Artikel über Sougia.
Mirthios – Tavernen mit Aussicht
Nur wenige Minuten oberhalb von Plakias liegt Mirthios.
Von den Tavernen im Ort bietet sich ein grandioser Blick auf die Bucht von Plakias.
Viele Besucher kommen allein wegen dieser Aussicht hierher.
Dazu kommen einige interessante Geschäfte für Schmuck, Kleidung und Kunsthandwerk.
Wer in Plakias Urlaub macht, sollte Mirthios unbedingt besuchen.
Sellia – ein Blick in die Vergangenheit
Sellia liegt nur wenige Kilometer oberhalb von Plakias.
Während die Küste zunehmend touristisch geprägt ist, scheint die Zeit hier langsamer zu vergehen.
Das Dorf lebt bis heute stark von der Landwirtschaft.
Besonders interessant ist die örtliche Käserei, in der regionale Produkte verkauft werden.
Für viele Besucher gehört Sellia zu den authentischsten Dörfern der Region.
Ausflüge auf Kreta buchen
Viele der vorgestellten Orte lassen sich auf eigene Faust erkunden. Für einige Regionen sind organisierte Ausflüge jedoch eine gute Alternative.
Lakki – eine der schönsten Aussichten der Weißen Berge
Lakki gehört zu den Orten, die selbst viele Kreta-Kenner nicht kennen.
Das kleine Bergdorf liegt hoch in den Weißen Bergen und bietet nach meiner Meinung eine der schönsten Aussichten der Region.
Touristen sieht man hier nur selten.
Stattdessen erlebt man das ursprüngliche Kreta mit traditionellen Häusern, gastfreundlichen Bewohnern und einer ausgezeichneten Taverne im Ortszentrum.
Wer die Bergwelt Kretas kennenlernen möchte, sollte Lakki unbedingt besuchen.
Zaros – Wasser statt Trockenheit
Zaros gehört zu den ungewöhnlichsten Orten Kretas.
Während weite Teile der Insel im Sommer sehr trocken wirken, ist Zaros für seine Wasserquellen bekannt.
Am Ortsrand liegt ein kleiner See, der von hohen Bäumen umgeben ist und fast schon an Mitteleuropa erinnert.
Die Region ist außerdem für ihre Forellenzucht berühmt.
In mehreren Tavernen können Besucher frische Forellen direkt aus den örtlichen Zuchtanlagen bestellen.
Zaros ist außerdem ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen am Fuße des Psiloritis.
Anogia – die Hauptstadt der kretischen Musik
Anogia besitzt auf Kreta einen ganz besonderen Ruf.
Aus dem Bergdorf stammen zahlreiche bekannte Volksmusiker und Sänger, die die traditionelle kretische Musik geprägt haben.
Mit mehreren tausend Einwohnern zählt Anogia zu den größten Orten im Inselinneren.
Gleichzeitig hat sich das Dorf seinen traditionellen Charakter bewahrt.
In der Nähe erhebt sich der Psiloritis, mit 2.456 Metern der höchste Berg Kretas.
Wer sich für Musik, Kultur und Geschichte interessiert, sollte Anogia unbedingt besuchen.
Zoniana – das rebellische Bergdorf
Zoniana gehört zu den bekanntesten Bergdörfern Kretas.
Der Ort war lange Zeit für seinen ausgeprägten Freiheitswillen bekannt und geriet immer wieder in die Schlagzeilen.
Dadurch entstand auf Kreta fast ein legendärer Ruf.
Heute erleben Besucher vor allem ein traditionelles Bergdorf mit starkem lokalem Selbstbewusstsein.
In der Nähe befindet sich zudem die beeindruckende Sfendoni-Höhle, die zu den schönsten Tropfsteinhöhlen der Insel zählt.
Aradena – das Dorf der Ruinen
Aradena gehört zu den faszinierendsten Orten Kretas.
Nach blutigen Familienfehden wurde das Dorf in den 1950er-Jahren weitgehend aufgegeben.
Noch heute kann man durch die verlassenen Gassen laufen und beobachten, wie viele Häuser langsam verfallen.
Die Atmosphäre erinnert stellenweise an eine Geisterstadt.
Direkt neben dem Dorf befindet sich die berühmte Aradena-Brücke, die spektakulär über einer tiefen Schlucht verläuft.
Von hier startet außerdem eine der schönsten Wanderungen der Insel durch die Aradena-Schlucht bis zur Südküste.
Omalos – mehr als nur der Eingang zur Samaria-Schlucht
Fast jeder Kreta-Urlauber kennt Omalos.
Die meisten sehen jedoch nur den Parkplatz am Eingang der Samaria-Schlucht.
Der Ort selbst besteht aus wenigen Häusern, Tavernen und Schafweiden auf einer riesigen Hochebene in den Weißen Bergen.
Gerade diese Einfachheit macht den Reiz aus.
Wer Zeit hat, sollte hier nicht nur durchfahren, sondern eine Mahlzeit genießen oder sogar eine Nacht verbringen.
Fodele – die Heimat von El Greco
Das kleine Dorf Fodele gilt als Geburtsort des berühmten Malers El Greco.
Ein kleines Museum erinnert an das Leben und Werk des Künstlers.
Darüber hinaus befindet sich hier eine bedeutende byzantinische Kirche aus dem 11. Jahrhundert.
Fodele eignet sich hervorragend für einen kurzen Ausflug abseits der großen Touristenorte an der Nordküste.
Kandanos – ein Ort der Erinnerung
Kandanos besitzt eine bewegte und tragische Geschichte.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort durch schwere Verbrechen der deutschen Besatzungstruppen bekannt.
Mehrere Gedenktafeln im Ortszentrum erinnern bis heute an die Opfer.
Trotz dieser traurigen Vergangenheit ist Kandanos ein lebendiger Ort geblieben und ein wichtiger Zwischenstopp auf dem Weg nach Paleochora.
Fazit: Das andere Kreta entdecken
Kreta besteht nicht nur aus Chania, Heraklion, Elounda oder den bekannten Stränden der Insel.
Wer sich Zeit nimmt, entdeckt kleine Orte mit eigener Geschichte, beeindruckenden Landschaften und oft erstaunlich wenigen Touristen.
Viele der hier vorgestellten Dörfer habe ich während meiner zehn Jahre auf Kreta kennengelernt.
Genau diese Orte zeigen oft das authentische Gesicht der Insel.
Wer Kreta wirklich verstehen möchte, sollte deshalb auch die kleinen Orte besuchen.
FAQ: Kleine Orte auf Kreta
Welcher kleine Ort auf Kreta ist besonders ursprünglich?
Lakki, Sellia, Zaros und Zoniana gehören zu den ursprünglichsten Orten der Insel.
Welcher kleine Ort eignet sich für einen ruhigen Strandurlaub?
Tsoutsouros, Keratokambos, Sougia und Myrtos sind hervorragende Ziele für Urlauber, die Ruhe suchen.
Welcher Ort hat die schönste Aussicht?
Lakki in den Weißen Bergen und Mirthios oberhalb von Plakias bieten besonders beeindruckende Panoramablicke.
Welcher Ort eignet sich für Wanderer?
Loutro, Agia Roumeli, Omalos, Aradena und Palekastro sind hervorragende Ausgangspunkte für Wanderungen.
Welcher Ort ist besonders günstig?
Mochlos und Zakros gehören zu den preiswertesten Orten der Insel.